Kopfüber unterm Eis
Von Puckjägern, Freitauchern, Weltrekordhaltern und wie einem im Kärntner Idyll beim Sport die Puste ausgehen kann...
Gern haben wir uns in dieser Kolumne immer wieder Sportarten gewidmet, die von Otto Normalsportler schon mal als abseitiger Irrsinn betrachtet werden. Da mutet die Meldung über ein Eishockey-Match in Österreich zunächst beinah langweilig an.
Erstmals werden wir aufmerksam, als wir lesen, dass pro Team nur zwei Spieler aufgeboten werden. Richtig stutzig macht dann die Tatsache, dass alle beteiligten Spieler ausgebildete Apnoe-Taucher sind, das heißt Freitaucher, die ohne Atemgerät bis zu acht Minuten unter Wasser bleiben können. Und schließlich ist es Gewissheit: Auf dem Kärntner Weissensee, oder vielmehr darunter, wird am 5. März Eishockey falsch herum gespielt. Tatsächlich wird hier sogar das welterste Unterwasser-Eishockey-Länderspiel Österreich gegen Deutschland angepfiffen.
Zunächst hackt man Löcher in die Eisdecke, um die Tore zu versenken und kopfüber unter dem Eis zu befestigen, anschließend wird ein Spielfeld der Größe acht mal sechs Meter bestimmt, auf dem bzw. unter dem jeweils ein Spieler pro Team den Puck in die gegnerischen Maschen zu befördern sucht. Statt auf Schlittschuhe dürfen die Extremsportler auf Flossen zurückgreifen, während sie dem Styropor-Puck nachjagen, dessen Auftrieb ihn gegen die Eisfläche drängt. Geht einem Spieler die Luft aus, muss er hurtig zum Eisloch, seinen Teampartner durch Abschlagen ins Feld holen und ordentlich durchschnaufen.
Die Gesamtdauer beträgt 30 Minuten, wird aber in Drittel von 10 Minuten unterteilt, dazwischen gibt es jeweils 10 Minuten Erholung und Erwärmung.
Kein Sport für Synchronschwimmer, wie ein Blick in die Viten der Kombattanten zeigt. Für Österreich treten der zweimalige Weltrekordhalter im Streckentauchen Christian Redl und der frühere Österreich-Rekordhalter Jaromir Foukal an. Im deutschen Team haben sich Phillip von Heydebreck, deutscher Rekordhalter im Freitauchen, und Knut Stender zusammengetan, der vor fünf Jahren noch Unterwasser-Rugby in der 1. Bundesliga gespielt hat.
Warum die Jungs das machen, bleibt wohl ihr Geheimnis, für alle potentiellen Nachahmungstäter aber gilt: Solltet ihr tatsächlich noch mal einen zugefrorenen See in der Nähe finden, erfreut euch doch einfach des idyllischen Anblicks und lasst das Eis in Ruhe! Selbst in Kärnten findet das Spektakel nur im Beisein von Sicherungstauchern, Tauchmedizinern und Aufwärmkammer statt, und wer hat so etwas schon im Gepäck!
L.
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