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Kolumne

Sport in Berlin / Sportanlagen in Berlin - Der letzte Pfiff

Der letzte Pfiff

Der HSV hat mit seinen Fans den Bund für nach dem Leben geschlossen. Für alle, die auch nach dem großen Finale noch bleiben wollen.

Woche für Woche hat man die Seinen beim Bundesligaspiel begleitet, hat mitgefiebert im Erfolg und gelitten wie ein Hund bei Niederlagen. Neue Spieler wurden adoptiert, verdiente Abgänger tränenrührig verabschiedet. Und immer, immer, immer hat man als Fan alles gegeben.

Was aber bleibt, wenn am Ende einer so leidenschaftlich gepflegten Vereinstreue der große Schiedsrichter im Fußballhimmel zum letzten Mal gepfiffen hat. Der letzte Torjubel ist verhallt, das letzte Stadionbierchen geschluckt, nie wieder: „Steh auf, wenn du ein…“! Wohl nicht. Oder doch!

In England wird bei einigen Vereinen schon seit Jahren echte Fantreue über den Tod hinaus ermöglicht. Bestattungen mit Vereinsschal und Wimpel im Club-Sarg sind an der Tagesordnung. Dazu erschallt hintergründig die Fußball-Hymne schlechthin: „You’ll never walk alone!“

Kann es eine schönere Auswechslung geben? Na klar, sagt man in Hamburg, und hat in Zusammenarbeit mit örtlichen Bestattungsunternehmen einen Fan-Friedhof sozusagen in Hörweite des Stadions eingerichtet. 300 bis 500 Fans können sich hier im Laufe der künftigen Saisons zur letzten, stillen Anfeuerung begeben, Rautengrabsteine und die blau-weißen Kränze sind beim Einlass nicht bindend. Betreten wird man den HSV-Friedhof durch ein stilisiertes Fußballtor, das „Spielfeld“ wird umrandet von drei Tribünenrängen, Stehplätze gibt es nicht!

Es mag ein bisschen makaber wirken, aber für den echten Fan kann es doch keinen angemesseneren Ruheplatz geben als jenen im Schatten seines Stadions unter Seinesgleichen. Und der HSV wird sich rühmen dürfen, die treuste Fankurve der Bundesliga zu haben, wenn auch ein paar Meter außerhalb des Stadions.

Geld wollen die Hamburger damit übrigens nicht verdienen, die Lizenzgebühren sollen ausschließlich zur Friedhofspflege genutzt werden. Verein und Fans in ewiger Verbundenheit und wer weiß, wenn dann mal so ein laues Lüftchen über die Westtribüne ins Stadion weht, und man ganz genau hinhört, kann man vielleicht ein leises, gruftiges „Schieri, du Arschloch!“ vernehmen.

L.

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