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Kolumne

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Die "All Blanks" von Dunedin

Über ein legendäres Rugby-Match auf der Südinsel Neuseelands, verkehrte Flitzer und Studenten mit ohne ...

Seit 1996 findet alljährlich im Juni, Juli das Tri Nations statt. Ein Drei-Nationen-Turnier der besten Rugby-Teams der südlichen Hemisphäre, bei dem die „All Blacks“ aus Neuseeland, die „Wallabies“ aus Australien und die „Springboks“ aus Südafrika gegeneinander antreten. Das an sich ist natürlich schon spannend, muss aber in der nördlichen Hemisphäre noch niemanden nachhaltig beunruhigen.
Zu Testzwecken fährt das neuseeländische Nationalteam vorab immer ins südliche Dunedin, denn natürlich braucht ein solches Prestigeturnier die entsprechende Vorbereitung. Und wer die „All Blacks“ schon einmal sehen durfte, der weiß, dass hier nicht nur jeder Pass, jeder Spielzug, jedes Tackling präziser strategischer Planung unterworfen ist. Nein, hier muss auch beim Haka, dem extrem einschüchternden Kriegstanz, der schon vor dem Match jedem Gegner den Angstschweiß auf die Stirn treibt, jede Bewegung, jede Mimik sitzen. Diese meist breitbeinig ausgeführten Choreografien voller Drohgebärden, rollender Augen und Zungenspiel, begleitet von Lauten, die einem die Nackenhaare in die Senkrechte treiben.
Furchteinflößender geht’s nimmer!
Außer: nackt!
Glücklicherweise sind es nicht die „All Blacks“ selbst, die alle Textilien von sich werfen. Vielmehr werden sie in Dunedin von zwei studentischen Teams erwartet und freudig begrüßt – mit einem FKK-Match. Einschließlich Haka des einen Teams, quasi der „All Blanks“! Sehr beeindruckend, einschüchternd und irgendwie ursprünglich. In Ermangelung der Trikots werden Trikotnummern, die Farben der repräsentierten Nation und die Namen direkt auf der Haut getragen, und dann geht’s auch schon ohne jede Berührungsängste in die Schlacht. Wie bei den ordentlich Angezogenen gilt auch in dieser Spielvariante: das Ei möglichst lange schützen und im richtigen Moment hinter der Linie ablegen.
Enthusiastische Anfeuerung durch das zumeist vollständig bekleidete Publikum ist den Nacktaktiven gewiss. Wärmende Worte sind allerdings auch nötig, denn das Match wird in der Regel in der kühleren Jahreszeit Neuseelands angesetzt. Und das wiederum zeitigt in Einzelfällen bekanntlich Folgen, die der reinen Lehre von Form und Ästhetik dieses höchst männlichen Spiels nicht im Geringsten entsprechen.
Skurriles ereignete sich im vergangenen Jahr, als ein Zuschauer der Intensität der Auseinandersetzung erlag und als Flitzer aufgeputscht durch die Beifallsstürme der tobenden Massen quer übers Feld rannte – splitterfaserangezogen!
Ein Skandal, der von den Spielern höchstselbst durch ein sattes Tackling bereinigt wurde. Der zur Strecke gebrachte Hooligan wurde von den nur mit Polzeimützen bekleideten, anwesenden Ordnungshütern in Gewahrsam genommen.
Ob der junge Mann zum Guten bekehrt wurde, wissen wir nicht, das Nackt-Rugby-Match von Dunedin aber findet auch im nächsten Jahr wieder statt – soviel ist sicher!

L.

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