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Kolumne

Sport in Berlin / Sportanlagen in Berlin - Einen Lance für die Tour brechen!

Einen Lance für die Tour brechen!

Wie man einem großen Radfahrer die Luft rauslässt, warum Zweite lieber Zweite bleiben sollten und was Wahrscheinlichkeitsrechnung mit Radrennen zu tun hat …

Endlich haben sie ihn kleingekriegt, den großen Armstrong! Dem vermutlich besten Radfahrer aller Zeiten ist ein paar Kilometer hinter der Ziellinie nun doch die Luft ausgegangen. Die aufrechten Ehrenjäger der US-Anti-Doping-Agentur USADA haben den gefallenen Heroen derart in die Enge getrieben, dass er sich nun kampflos auf den Rücken wirft und sogar die Aberkennung seiner sieben Tour-Siege in Kauf nimmt.
Bravo! Was Recht ist, muss schließlich Recht bleiben! Und Betrüger gehören an den Pranger!
Freuen wir uns also mit den bald aufs oberste Treppchen treten dürfenden jeweiligen Tour-Zweiten dieser Jahre, denen nun die wohlverdiente Anerkennung entgegengebracht werden kann: Jan Ullrich (2000, 2001, 2003), Alex Zülle (1999), Joseba Beloki (2002), Andreas Klöden (2004) und Ivan Basso (2005).

Blöd nur, dass alle Betroffenen ebenfalls unter Doping-Verdacht stehen.
Die ganze Geschichte geht doch längst nur noch als Groteske durch: Wie groß ist wohl die Wahrscheinlichkeit, dass unter Fahrern mit vergleichbaren athletischen Voraussetzungen, ähnlich hartem und technisch ausgeklügeltem Training auch nur einer dabei ist, der – sauber – in der Spitzengruppe zwischen biochemisch aufgepumpten Leistungszombies mithalten kann?

Konsequent wäre, rückwirkend jede Tour de France wegen vermutlich flächendeckenden Betrugs aus den Annalen zu streichen. Oder noch besser: Zuzugeben, dass der immense Leistungs- und Mediendruck, der auf die Sportler einwirkt, seinen Anteil an dieser Form der körperlichen Selbstverstümmelung hat. Die Wertungen der Rennen und der Rennfahrer, die nebenbei trotz allem eine mörderische Belastung bewältigt haben, bleiben erhalten mit dem dezenten Hinweis, dass substanzielle Einflüsse bis zum Jahre X zwar nicht die Rangliste, wohl aber das Gesamttempo der Tour beeinflussten.

Aber das macht natürlich nicht so viel Spaß, wie einen berühmten Radfahrer moralinsauer und selbstgerecht durchs Mediendorf zu prügeln.

 

L.

 

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