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Kolumne
WM-Erwartungen
Vom Wirtschaftsaufschwung, gelöster Ölkrise und was man bei der Weltmeisterschaft besser in „Verrichtungsboxen“ verrichtet! Oder doch lieber nicht...
Man munkelt, es solle bei der Weltmeisterschaft im Sommer auch zu Fußballspielen kommen. Das gerät mitunter ja ein bisschen in den Hintergrund, wenn man die Erwartungshaltungen aller entfernt Beteiligten berücksichtigt.
In Deutschland wird nichts weniger als ein ordentlicher Wirtschaftsaufschwung all die pessimistische Trübsal aus dem gebeugten Selbstbewusstsein blasen. Kommen die Franzosen ins Endspiel, schickt die politische und ökonomische Elite des Landes ihre Kinder in die ehedem ghettoähnlichen Banlieues, um von den Straßenkids die geschmeidige Ballbehandlung zu kopieren. Zudem lässt man Iran gegen Saudi Arabien im Halbfinale antreten und löst ebenso pragmatisch wie elegant die Ölkrise, ohne irgendwelche Achsen des Bösen oder sonstige Aufstellungsvarianten angreifen zu müssen.
Über allem aber steht der soziale und kulturelle Austausch, der bei einem solchen Event großzügig und liebevoll gepflegt wird. Ein Bordell in Köln beispielsweise lädt hierzu mit einer freundlichen jungen Dame in rosa Unterwäsche und dem nur leicht abgewandelten WM-Slogan „Die Welt zu Gast bei Freundinnen“. Die Welt allerdings möchte da nicht geschlossen kommen, so mussten die Flaggen Irans und Saudi Arabiens auf dem Plakat geschwärzt werden, nachdem wütende Protestanten ihren Unwillen über soviel Nähe überaus deutlich zum Ausdruck gebracht hatten.
Das Bundeskriminalamt vermutet rund 40.000 solcher Sozialarbeiterinnen aus Osteuropa, keineswegs immer freiwillig, auf dem Weg zur WM. Allein 10.000 sollen dabei das Ruhrgebiet in Lust und Laune versetzen. Aus dem Dortmunder Ordnungsamt wird die Idee kolportiert, verschiedene Brachflächen in „neue Begegnungsstätten“ umzuwandeln und selbst die in Holland erfolgreich getesteten „Verrichtungsboxen“ für bezahlten Sex – ausgestattet mit Fluchttür und Alarmknopf – stehen kurz vor der Aufstellung.
Jetzt aber regt sich doch langsam Widerstand gegen das allzu gewerbliche dringende Bedürfnis. Vom Katholischen Deutschen Frauenverbund bis zum Schwedischen Fußballverband, der einen WM-Boykott erwogen und verworfen haben soll, reicht der passive Widerstand.
Dabei sind das alles nur kleine Nebenkriegsschauplätze, denn in Wirklichkeit geht es bei der WM nämlich um etwas ganz anderes: Um Fußball... munkelt man!
L.
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