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Kolumne
Gebt mir meine WM zurück
Dem Fußball-Wahn folgte die Fußball-Leere. Warum nur, warum?
Ich kann sie gut verstehen, die Leute, die nach Ende der Fußball-Weltmeisterschaft tief seufzten und sagten: „Endlich ist es vorbei!“ Pseudojubelnde bedeutschlandtrikote Menschen überall – in der Fernsehwerbung, auf Plakaten, in der Fußgängerzone. Bälle in den Auslagen von Optikern und Apotheken, Miniatur-Fußballfelder in den Schaufenstern von Kaufhäusern und Supermärkten. Um es freundlich auszudrücken: Ein gewisses Übersättigungsstadium war durchaus erreicht.
Nach Abpfiff des tragisch verlaufenen Finales wurde abgeflaggt. Deutschlandfahnen in den Keller, das Begrüßungstrikot eines großen deutschen Telekommunikationsunternehmens fein gefaltet in den Schrank, Tröten und Trommeln ins Kinderzimmer. Tristesse hielt Einzug in den bundesdeutschen Normal-Haushalt. Das Fernsehen wurde wieder zum Unterhaltungsersatz Nummer eins.
Doch, oh weh: Jetzt wurde erst wieder deutlich, welch minderwertige Qualität die TV-Sender tagtäglich über den Äther laufen lassen. 15 Uhr Gerichtsshow, 18 Uhr Heimwerker-Soap, 21 Uhr Volksmusik. Um auch dieses in freundliche Worte zu fassen: Uaaaaaaaaaaaaaaargh!
Gebt mit meine WM wieder! Bevor dieser breitformatige Dauerangriff auf mein ohnehin schon hitzegeschädigtes Hirn richtig Wirkung zeigt, fordere ich: Dreimal Fußball täglich. Jeden Tag! Oder vielleicht selber spielen!?!
mbu.
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