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Neulich in BelgienMattis Leben ist ein schlechter Witz. Die 41jährige arbeitet am Postamtschalter einer belgischen Kleinstadt, ihre drei Kinder fliegen ausgiebig durch die verschiedenen Phasen der Pubertät und – der Klassiker noch als Zugabe – ihr Mann hat sie nach 20 Jahren Ehe wegen einer Jüngeren verlassen.
Schlimmer ist schwer. Dann trifft ihr gehäufter Alltagswahn auf den Bordsteincharme eines truckerfahrenden Wikingers.Matti wünscht sich nichts weiter als ihr normales, ruhiges Leben zurück, doch ihre Gegenwart bleibt ein verlassener Ort. Auf der Suche nach der verlorenen Leichtigkeit werden ihre Schritte täglich schwerer. Die Vergangenheit und ihr Mann hatten nicht gehalten, was sie versprachen und ihre Zukunft riecht auch nicht nach Party, sondern nach dem Abwasch danach. Kater inklusive.
Buchstäblich aus dem Nichts knallt Johnny in ihr Leben. Der junge Lastwagenfahrer zerbeult mit seinem Brummi den Kofferraum ihres Autos, als sie beim Einkaufen ausparkt. Nach einem ansehnlichen Austausch von Beleidigungen kommen sich die beiden in den Tagen danach näher.
Johnny ist mit seinem zotteligen Wesen und seiner schnoddrigen Art eher der Mann für Liebe auf den zweiten Blick. Da er zudem im Rausch seine Exfrau geschlagen hatte und dafür im Knast saß, ist er auch kein wandelndes Versprechen auf glückliche Zweisamkeit. Doch beide verbindet der Schmerz des Verlassenwerdens. Immerhin ist er durch seine Italientouren mit südländischer Leidenschaft infiziert. Und so hängt ein Hauch von “ti amo” in der Luft über Belgien, als der zerzauste Trucker seine zarten Balzbemühungen auf die Reise schickt.
Als Werner, ihr Mann, von Johnny erfährt, beginnt er wieder um Matti zu werben. Sie muss wählen zwischen dem schöngeistigen Intellekt des Kunstprofessors und Sex im LKW. Zum Märchenprinzen, der das Leben wieder ins Bilderbuch manövriert, fehlt beiden etwas. Oder doch nicht? Die guten Seiten einfach zu genießen fällt Matti schwer. Selbst ihr Leibgericht, Blutwürste, übertüncht sie beinahe symbolisch mit einem Schwall von Senf. Johnny rät ihr, sie soll die Dinge nehmen, wie sie sind und nennt sie zärtlich sein Senfkorn – Poesie von umme Ecke.
In seinem Regiedebüt gelingt es Christophe Van Rampaey immer wieder mit skurilen Einfällen, das Leben zwischen Kleingeist und Kleinstadt im Vorbeigehen zu porträtieren. So schmettert eine stimmbrüchige Rentnerin in einer Karaoke-Bar situationsbegleitend zu Johnnys jüngstem Vergehen, dass “jeder Fehler machen kann”. Kleinstadtgefühle treffen auf große Sehnsucht, kleine Welt auf den Wunsch nach großer Freiheit. Der Film wirkt real, ist leichtfüßig lustig und dabei immer wieder rührend. Neulich in Belgien kommt ohne Helden aus. Jurgen Dalnaet ist aber als liebestaumelnder Brummi-Proll ein Träumchen für sich. Ein Heroe von nebenan – und endlich ein guter Witz für Matti.
Christian Schwab
Kolumne
Ein Lied für den "Capitano"
Über den größten Konflikt im deutschen Nachkriegsfußball und die neue Sensibilität von Ballack, Frings und Co.
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