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Sport in Berlin / Sportanlagen in Berlin - funpool – Kinolupe: Shame

funpool – Kinolupe: Shame

Brandon Sullivan ist rein äußerlich ein Siegertyp. Der New Yorker ist mit Mitte Dreißig erfolgreicher Werber und kriegt mit seinem selbstbewußten, attraktiven Auftreten so ziemlich jede Frau ins Bett. Und das tut er auch, bis zum Exzeß. Sein Sexleben besteht aus One Night Stands und schnellen Affären.

Es geht um den Rausch, um die Jagd, die Ablenkung vom stressigen Arbeitsalltag. Binden will er sich nicht. Sein Sexhunger ist eine Sucht, die ständig nach schneller Befriedigung giert, in der Bar, im Internet, mit Huren oder beim Onanieren in der Mittagspause.

Der in Heidelberg geborene Deutsch-Ire Fassbender, verkörpert diesen Sexsüchtigen als wandelnden Widerspruch zwischen sexueller Anziehungskraft und emotionaler Abstoßung. Zu menschlicher Nähe oder gar Beziehungen ist dieser Brandon nicht fähig, das wird spätestens klar, als eines Tages seine exzentrische Schwester Sissy vor der Tür steht und sich bei ihm einquartiert. Er haßt, wie sie geradezu nach seiner Zuneigung bettelt und Schwächen zeigt und reagiert mit Wutanfällen. Um nicht an ihrer Nähe zu ersticken, flüchtet er sich ins nächtliche New York, immer auf der Suche nach Zerstreuung, dem nächsten Kick. Nur keine Gefühle.

Shame ist explizit, doch Regisseur Steve McQueen zeigt es ohne jeden Voyeurismus. Deprimierender hat Sex selten ausgesehen. Seine kühl komponierten Bilder sind ein distanzierter, sezierender Blick auf die existentielle Verzweiflung. Und letztlich ein Kommentar zur Einsamkeit und Entfremdung in einer völlig durchsexualisierten Gesellschaft. Das Regiedebüt des Bildenden Künstlers McQueen, das ebenfalls mit Fassbender besetzte Drama Hunger über den Hungerstreik des IRA-Aktivisten Bobby Sands, handelte von einem Mann im Gefängnis, der seinen Körper als politisches Druckmittel einsetzt, um sich die Freiheit zu erkämpfen - in Shame geht es um einen Mann, der alle Freiheiten genießt und sich durch die vermeintliche sexuelle Unabhängigkeit sein eigenes Gefängnis schafft.

Michael Fassbenders Rolle als Sexbesessener in Steve McQueens Drama Shame ist schon jetzt eine der herausragenden Schauspielleistungen des Jahres.

Und doch haben beide Filme nicht nur den Hauptdarsteller gemein, sondern auch eine fesselnde Intensität, die vor allem mit der physischen Tour de Force Fassbenders zu tun hat. Wo er sich für Hunger fast 20 Kilo herunterhungerte, entblößt er sich in Shame bis zur Schamgrenze – auch psychisch. Dafür wurde er, völlig zu Recht, beim Filmfest in Venedig mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet. Warum er nun bei den Oscars übergangen wurde, kann man nur mit der Prüderie der amerikanischen Akademiemitglieder erklären. An Fassbenders furioser Schauspielleistung jedenfalls liegt es nicht.

Jg
Quelle: Yorcker
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